
Die invasive Schwebegarnele Hemimysis anomala wurde erstmals im Stechlinsee gefunden. | Foto: Maren Lentz
Die Art stammt ursprünglich aus dem pontokaspischen Raum. Eine zunehmende Verbreitung in den Gewässern Nordostdeutschlands ist bereits seit längerem bekannt, beispielsweise seit 1992 in der Ostsee und seit wenigen Jahren auch im Werbellinsee. Für den unter Naturschutz stehenden Stechlinsee handelt es sich jedoch um den Erstnachweis. Weil sich die Tiere nach dem Jungstadium von tierischem Plankton ernähren, kann die Art eine Konkurrenz beispielsweise für Fische und deren Larven darstellen, u.a. auch für die nur im Stechlinsee vorkommende Fontane-Maräne (Coregonus fontanae). Andererseits sind die Schwebegarnelen eine potenzielle Nahrungsgrundlage für andere Tierarten. Die IGB-Wissenschaftler*innen haben bereits begonnen, das Vorkommen der fremden Art im und ihre Auswirkungen auf das Ökosystem Stechlinsee zu erforschen.
Seit wann die Art im See tatsächlich vorkommt, wie groß die aktuelle Population ist, wie sie räumlich verteilt ist und welche Auswirkungen sie potenziell auf das Nahrungsnetz im Stechlinsee haben könnte, lässt sich aktuell noch nicht abschätzen. „Weil die Art nachtaktiv ist, kann man sie am besten in der Nacht nachweisen. Obwohl dies zeitaufwendig ist, haben wir sofort Untersuchungen eingeleitet. Diese haben ergeben, dass die Schwebegarnele die flacheren Uferabschnitte zumindest an der gesamten Südostseite des Stechlins bewohnt. Im Gegensatz dazu konnten wir im offenen Tiefenwasser abseits des Ufers bisher keine Exemplare fangen", erklärt Dr. Jens Nejstgaard, Leiter der Zooplankton-Forschungsgruppe am IGB-Standort Stechlinsee. Die Probenahmen werden nun im gesamten See fortgesetzt, um weitere Daten zur Schwebegarnele im Stechlin zu sammeln.
Die Rotflecken-Schwebegarnele wird 6 bis 13 Millimeter lang, die Weibchen sind etwas größer als die Männchen. Sie haben große Augen für eine gute Nachtsicht, sind elfenbeinfarben oder durchscheinend und haben rote Punkte auf dem Körper, sogenannte Chromatophoren. Während sich junge Tiere hauptsächlich von Phytoplankton ernähren, sind größere Tiere Allesfresser: Sie fressen hauptsächlich Zooplankton, aber auch pflanzliche und tierische Überreste, Phytoplankton und Insektenlarven und können sogar Kannibalismus betreiben. Aufgrund dieser großen Nahrungsvielfalt können sie potenziell viele verschiedene Auswirkungen auf das Ökosystem haben.

Forschende des IGB bei einer nächtlichen Beprobung zum Nachweis der invasiven Schwebegarnele. | Foto: Stella Berger

Hemimysis anomala bildet Schwärme aus. | Foto: Stella Berger

Die Art wird 16 bis 30 Millimeter lang, ist elfenbeinfarben oder durchscheinend und hat rote Punkte auf dem Körper. | Foto: Maren Lentz